Wenn die Chefin mit dem Chef (Allgemeine Zeitung, 26.07.2017)

 

Von Ulla Grall

KONZERT Die Betreiber des Kulturguts geben als Duo Coolsville eine blendende Figur ab

BECHTOLSHEIM - Lange vor Konzertbeginn schon sitzen die Gäste im Hof, genießen den lauschigen Abend und warten auf „Acoustic Adventures“ mit „Coolsville“. Gleich müssen Roland Kalus und Elke Diepenbeck ein Schild rausstellen: „Kulturgut heute wegen Überfüllung geschlossen.“ Einstweilen werden ein paar zusätzliche Stühle geholt. „Und das mitten im Sommerloch“, freut sich der Hausherr.

Es kommt viel zu selten vor, dass die beiden Betreiber des Kulturguts auf ihrer eigenen Bühne zu hören sind, finden auf jeden Fall die Stammgäste: „Das wurde mal wieder Zeit.“ Das Kulturgut gibt es seit fünf Jahren, „Coolsville seit acht, oder sind es schon zehn?“, Elke Diepenbeck weiß es gar nicht genau. Als Musiker und Sängerin sind die beiden auch in verschiedenen anderen Formationen unterwegs. „Alte Haudegen der rheinhessischen Kulturszene“, wie Roland Kalus sich und seine Frau ankündigt. „Das scheint ein Abend mit Freunden zu werden“, meint er. „Wer war schon mal im Kulturgut?“ Die Hände fliegen hoch. „Umgekehrt, wer war noch nie hier?“ Die lassen sich an einer Hand abzählen. Dazu gehören Alexander Schlögel und Madeleine Bogaert aus Mainz, Gewinner des AZ-Preisausschreibens: „Es gefällt uns sehr!“

Elke Diepenbeck und Roland Kalus präsentieren ihre musikalische Bandbreite. Sie zitieren bekannte wie auch weniger geläufige Titel und glänzen mit Eigenkompositionen. „Sister moon“ von Sting macht den Anfang, Elke Diepenbecks vielseitige Stimme, soft und jazzig, ein andermal klar und voll, überzeugt. „Ich habe mich nie auf einen Stil festgelegt.“ Natürlich hat sie ihre Melodika dabei und Klavier spielen kann sie auch!

„Liebe Lilian, liebe Dona, liebe Petra, vielen Dank, dass Ihr uns heute Abend helft!“ Ja, wenn der Chef und die Chefin Musik machen, springen die Freunde gerne an Kasse und Theke ein.

„Rikki don’t lose that number“: „Wir sind, altersgemäß, von der Musik der 70er Jahre beeinflusst“, sagt Elke Diepenbeck dazu. Dieser Einfluss steht ihr stimmlich ganz ausgezeichnet, und auch das Publikum scheint viel von dieser Musik zu halten. Neben dem Applaus ertönen beifällige Rufe.

Für die folgenden Melodien hat Roland Kalus „heimlich“ seine Gitarre umgestimmt: „Es ist nicht Dur und nicht Moll.“ „I vow for thee my country“ geht nahtlos über in „Prelude for a tree“, einer von Kalus’ Eigenkompositionen. Es entsteht eine ganz besondere Atmosphäre, als der letzte Ton verklungen ist, bleibt es im Raum einen Moment lang völlig still. Bei „Zart“, entstanden „aus einer Jam-Session mit einer Amsel“, schwebt das melodische Thema über der Begleitung. Man fragt sich, wie die Fingerstyle-Gitarristen das machen, Melodie und Begleitung gleichzeitig und so wunderschön … Eines seiner Stücke, „Simple things“, wurde neu arrangiert für Flöte und Gitarre ins Repertoire von „Chantal“ übernommen. Da ist Kalus doch ein kleines bisschen stolz drauf.

Elke Diepenbeck sorgt für „Tapetenwechsel“ (Hildegard Knef), begleitet sich selbst am Klavier, interpretiert Songs ihrer Lieblingssängerin Rickie Lee Jones und mit einer „herzzerreißenden Ballade aus der Zeit vor Roland“, auch Selbstkomponiertes.

 

Elke Diepenbeck und Roland Kalus spielen alte Hits und Eigenes auf dem Oppenheimer Marktplatz (Allgemeine Zeitung, 12.07.2017)


Von Wolfgang Bohrmann

OPPENHEIM - „Die Tanzfläche ist frei“, mit dieser Feststellung eröffnete Elke Diepenbeck, die Sängerin des Duos Coolsville, das gut zweistündige Konzert der Gruppe auf dem Marktplatz in Oppenheim. Und bei den hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad sollte sie es leider auch bleiben. Eingeladen hatten die Stadt und Stadtbürgermeister Marcus Held im Rahmen des Kultursommers 2017. Die rund fünfzig Zuhörer, verteilt über Marktplatz, Bühne und angrenzende Restaurants, vermieden bei dieser Hitze jede unnötige Anstrengung. Aber allein das Zuhören machte genug Spaß und gute Laune.

Viele Zuschauer, aber nur wenig Schatten

Leider waren viel zu wenige Schattenplätze verfügbar, sodass etliche Passanten leider weitergehen mussten, denn in der Sonne war es nicht lange auszuhalten. Damit nicht genug, machte eines der beiden Cafés just zum Konzertstart die Schotten dicht, und die wenigen Plätze mit „Wasserversorgung“ waren damit zusätzlich verloren. Dennoch präsentierten Elke Diepenbeck und Roland Kalus einen sehr hörenswerten Querschnitt ihres Repertoires, das viele der bekannten Titel seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in neuer Aufmachung enthält.

Mit Elke Diepenbecks toller Stimme klingen Titel wie „How deep is your love“ von den Bee Gees völlig anders als das Original, werden aber sofort wiedererkannt. Das ist ein besonderer Effekt, der für ein neuartiges Klangerlebnis sorgt. Ähnlich verhält es sich mit Steely Dans Titel „Rikki don’t lose that number“ und den folgenden Top-Hits, die Coolsville auf ihre Weise covered. Dabei kommt auch gelegentlich eine alte, im Hippiestil verzierte Melodika zum Einsatz und sorgt für nostalgische Sounds.

Aber nicht nur die Titel bekannter Künstler gehören ins Coolsville-Spektrum. Auch eigene Kompositionen belegen die musikalische Bandbreite und das Können der Gruppe. So überzeugte Roland Kalus mit tollem Gitarrensound bei seinem Instrumentalstück „Wingertsknorze Blues“. Da auf dem Marktplatz zuvor amerikanische Touristen, die auf Untergrundtour unterwegs waren, gesichtet wurden, versuchte Kalus, den Titel mit „Vine- yard Blues“ zu übersetzen. Ob dabei allerdings der eigentliche Sinn rübergekommen ist, bleibt fraglich.

Auf jeden Fall hat die Vorstellung sicher bei manchem Besucher Lust auf mehr geweckt. Diese kann im Weingut „Das KulturGut Bechtolsheim“ von Diepenbeck und Kalus befriedigt werden. Dort gibt es neben einem bunten Kulturprogramm auch in regelmäßigen Abständen Auftritte von Coolsville. Da Bechtolsheim nun wirklich nicht weit entfernt ist, ist ein Besuch dort auf jeden Fall zu empfehlen.

Den beiden Künstlern gebührt für ihre Leistung auf dem Marktplatz trotz nicht optimaler Umstände große Anerkennung.

Magische Momente beim „Klein-Kunstabend“ von Wolfi Klein im Frankfurter Hof  (Allgemeine Zeitung,20.03.2017)

Von Kathrin Wesolowski

[....] Auch Elke Diepenbeck und Roland Kalus brachten Stimmung ins Publikum. Mit Songs und Eigenkreationen wie „Billie Jean“ von Michael Jackson heizten sie den Zuschauern ein. Die Bühne färbte sich abwechselnd in blaues, rotes und lila Licht, aufkommender Rauch betonte die magische Atmosphäre.

 

Coolsville bietet musikalische Feinkost im „Weingewölbe“ (Wormser Zeitung,10.09.2014)

Von Gernot Lahr-Mische

BERMERSHEIM - Ein Bild, wie aus den gängigen Zeitschriften, die das Landleben beschwören. Eine perfekte Idylle: Im Hof vor der großen Hochzeitsscheune stehen Stühle und Bänke, erstes Frühherbstlaub liegt auf dem Boden, unter den Tischen dösen zwei Hunde. Die Gäste sitzen entspannt an den Tischen unter mit grünen Lampions beschirmten Bäumen, genießen frisch zubereitete Spezialitäten eines mehrfach prämierten Kochs, trinken guten Wein und hören exquisite Musik.

Konzept geht auf

Das Konzept des bei dem legendären Paul Bocuse in die Lehre gegangenen Kochs Jean-Marie San Martin und seiner Frau Stefanie geht auch bei den drei Mal im Jahr stattfindenden „WonneJazz“-Veranstaltungen auf. Gutes Essen und erlesene Getränke, verbunden mit Musik, finden Zuspruch. Dass dabei die Musik des Duos „Coolsville“ im Restaurant „Weingewölbe“ in Bermersheim eher untermalenden Charakter hatte, tat der Atmosphäre keinen Abbruch, ist aber für die Musiker nicht ganz so einfach. Doch der professionelle Charme der Sängerin Elke Diepenbeck und des Gitarristen Roland Kalaus vermittelte trotzdem eine positive Ausstrahlung. Zumal das Duo „Coolsville“ handwerklich enorm versiert ist und beide selbst Inhaber einer Weinstube mit großer Livemusikauswahl sind, die sogenannte „Feinkunstbühne Kulturgut“ in Bechtolsheim.

Es besteht also ein Netzwerk und so kommt es, dass zur Trilogie vom Lachs oder Bandnudeln mit gebratenen Garnelen und anderen Gerichten Rickie Lee Jones, Sting oder Bonnie Raitt erklingt. Gitarre und Gesang im sonnendurchfluteten Hof, das hatte etwas. Elke Diepenbeck singt übrigens auch in anderen Projekten. Die klare, reine Stimme der studierten Sängerin kokettiert gerne mit Jazzphrasierungen, so entstehen gänzlich eigene Interpretationen innerhalb der wohlfeilen Songauswahl, bei der auch eine Sängerin wie Siljie Nergaard mit „Lullabye to Erle“ zu finden ist. Fast schon perfekt nuanciert, wie die schmale, enorm selbstsichere Vokalistin alle Hürden meistert und ihre Interpretationen zwischen Perfektion, Wärme und Verve eine gesunde Balance finden.

Daran beteiligt ist auch Rainer Kalus an der akustischen Gitarre, der mit seiner Frau in einen Dialog tritt, ihren Gesang fast schon impressionistisch unterstützt, sich dabei aber bewusst zurücknimmt. In seinen Solostücken kann der 54-Jährige dann die ganze Klangwelt seines Oeuvres präsentieren. Hier beweist er sich als exzellenter Covermusiker („Blue Moon“), aber auch seine Eigenkompositionen sind kleine Klangbilder, die die perfekte „Filmmusik“ für das beschauliche Ambiente waren.

Wären noch das spontane Geburtstagsständchen und der stimmungsvolle Einsatz einer alten Melodica zu erwähnen, die der Qualität des Duos fast noch mehr eine wehmütige statt „coole“ Note hinzusetzte.
Foto: pa/Balzarin